Cozy winter background with decor detail and snow on blurred light background.

Vom Höhlenbewohner zum Neuzeitmenschen

Für unseren Kunden Herrn T. beginnt in seiner ersten Wohnung mit Fließwasser und Heizung jetzt ein neuer Lebensabschnitt. Er hat seine Geschichte, die von schwierigen Umständen geprägt ist, gemeinsam mit unserer Leiterin, Maria Hörlesberger aus dem Teilbetreuten Wohnen, niedergeschrieben.

Zeilen, die Mut und Hoffnung machen und zeigen, dass es nie zu spät ist, im Leben einen Neuanfang zu wagen.
Oder eine Weihnachtsgeschichte der anderen Art, die auch ein Praxis-Beispiel unserer vielschichtigen Arbeit ist.

Ich wohnte 48 Jahre in der Wohnung meiner Eltern. Beide Eltern starben 2019, ab diesem Zeitpunkt war ich alleine in der Wohnung und auf mich gestellt. Ich bekam einen Sozialarbeiter.

Die Wohnung war von unten bis oben vollgeräumt, hatte kein fließendes Wasser, kein WC, keine Dusche und keine Heizung. Das Trinkwasser füllte ich mir in Flaschen vom Gang ab, damit ich nicht so oft gehen musste. Mein Vater wärmte sich über der Gasflasche die Hände, wie er es auch auf der Baustelle im Beruf gemacht hatte.
Auch ich musste mir eigene Strategien aneignen, wie ich unter diesen Gegebenheiten Essen zubereite, Wäsche wasche, die Wohnung wärme, mich wasche und vieles mehr.

Im Dezember 2020 war ich mit meinem Sozialarbeiter im Teilbetreuten Wohnen der Lebenshilfe Wien vorstellen. Ich wollte das am Anfang gar nicht.

Mein Neuanfang im Teilbetreuten Wohnen

Im Jänner 2021 hatte ich dann einen ersten Termin mit meiner Betreuerin Marlies zugelassen. Sie war bei mir in der Wohnung und brachte Langos und ein Weihnachtsgeschenk mit. Sie war äußerst freundlich. Ich konnte ihr nur einen Klappsessel anbieten. Dann erklärte sie mir, wie das Teilbetreute Wohnen funktioniert. Da die Wohnung in einem Messie Zustand war, trafen wir uns vermehrt zum Spaziergang.

Mit Hilfe von Marlies stieg ich beim Power-Walking ein, das vom Sportverein WAT Tigers Sport angeboten wird.

Später begann ich auch noch mit Bowling. Viel Weg-Training und Begleitung waren am Anfang notwendig. Mittlerweile finde ich gut alleine hin.

Durchs Bowlingteam, „Sepps Café“ am Standort der Lebenshilfe Wien in der Tanbruckgasse und dem Stammcafé im Café Kosmos konnte ich nach und nach meine jetzigen Freunde kennen lernen. Dadurch machten mir dann auch die Ausflugs-Angebote Spaß.

Wir spielen sehr gerne Uno und es gibt auch Förderkochen im Teilbetreuten Wohnen.

Mittlerweile lasse ich keinen einzigen Termin mehr aus, der angeboten wird. Ich kann gar nicht genug bekommen.

Von Arztterminen war ich nicht so begeistert, aber ich verstehe die Notwendigkeit und wollte kein Spaßverderber sein und ging mit meiner Betreuerin mit.

Ich ließ mich auch auf psychologische Beratung ein.

Im August 2022 bekam ich dann eine zweite Betreuerin, Bianca, da ich so viele Termine habe.

Ich habe sehr viel zu erzählen und fülle die Treffen mit Gesprächen.

Der Sozialarbeiter, der nach dem Tod meiner Eltern für mich da war, und auch meine Betreuerin von der Lebenshilfe sagten mir mehrmals, dass ich eine bessere Wohnung bekommen könnte. Ich traute mich nicht, weil ich dachte, dass ich zu wenig Geld habe und ich wollte nicht aus meinem Bezirk weg.

Zudem habe ich viele Ängste.

Meine Betreuerin redete mir zu, dass ich eine Wohnung bei Wiener Wohnen beantragen soll, da es Jahre dauern kann, bis man eine neue Wohnung bekommt. Dann willigte ich doch ein. Trotz meiner Wohnumstände wurde ich vom Wiener Wohnen abgelehnt. Wir reichten diesen Vorgang dann bei der Wiener Wohnkommission ein. Ich musste einige ärztliche Atteste abgeben, das war stressig, aber ich bekam innerhalb von 2 Monaten eine neue Wohnung zugesprochen.

Mein großes Glück – eine Wohnung in meinem Wunschbezirk. Es kostete mich trotzdem große Überwindung, dorthin zu gehen und diesen Schritt zu wagen. Mit mentaler Unterstützung von Bianca und Markus unterschrieb ich den Vorvertrag.

So ging dann alles ziemlich schnell. Ich sammelte und kaufte Umzugskartons und diese waren immer so schnell voll, da ich so vieles in der Wohnung hatte. Mit Betreuer Michael entwickelte ich dann eine Strategie, wie ich es schaffen kann, viele Dinge auszusortieren und auch wegzuschmeißen. Über die Organisation Pro Mente bekam ich eine freiwillige Helferin, Lena. Auch sie half mir beim Schachteln packen.

Auch meine zwei Meerschweinchen übersiedelten mit mir.

Die alte Wohnung zu räumen war sehr viel Arbeit und erst dann wurde mir bewusst, dass ich wirklich in einer Messie Wohnung gelebt hatte. Ich konnte es gar nicht glauben, das habe ich erfolgreich verdrängt.

So habe ich dann gesagt, dass ich mich vom Höhlenmensch zum Neuzeitmensch entwickelt habe.

Ich wohne jetzt im Dachgeschoss und habe einen herrlichen Ausblick über die Dächer Wiens und ins Grüne.

Mit Michaels und Biancas Hilfe ließ ich bei Ikea eine neue Küche planen. Ich lebe nun mit Waschmaschine und tollem Kühlschrank.

Der erste „Taschauer“ mit einer Waschmaschine!

Sehr schnell lernte ich von meinen BetreuerInnen, wie ich die neuen Geräte nutze, die Dusche genieße und danach saubere Kleidung anziehe.

Es ist mir sehr schwer gefallen, mich auf diese Veränderung einzulassen.

Mit meinem alten Leben möchte ich nicht mehr tauschen.

In den nächsten Monaten werde ich mit meinen BetreuerInnen noch beschäftigt sein, meine Wohnung wohnlich zu machen und sie in einem sauberen Zustand zu halten.

Es ist so, als würde ich aus einem Traum erwacht sein.

18. Dezember 2023/A.T. – Teilbetreutes Wohnen, Lebenshilfe Wien

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