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Frauentag: Warum Sexualität für Frauen mit Behinderungen wichtig ist

Drei sich überschneidende Silhouetten menschlicher Profile, die in entgegengesetzte Richtungen blicken, in den Farben Grün und Hellpfirsich auf einem cremefarbenen Hintergrund, die die Vielfalt der Menschen und die Einheit darstellen.

Rund um den Internationalen Frauentag wird viel über Rechte, Selbstbestimmung und Gleichberechtigung von Frauen gesprochen. Ein Thema wird dabei jedoch noch immer zu wenig beachtet: Sexualität von Frauen mit Behinderungen.

Dabei gehört Sexualität zum Leben aller Menschen – unabhängig von einer Behinderung.

Wir haben bei unserer neuen fachlichen Expertin Miriam Foresta nachgefragt und erklären in einfacher Sprache, warum dieses Thema so wichtig ist.

Warum ist Sexualität für Frauen mit Behinderungen wichtig?

Sexualität ist für viele Menschen wichtig.
Sie hat mit Lust, Wohlfühlen und Genuss zu tun.
Sexualität kann auch Selbstbewusstsein und Identität stärken.

Bei Sexualität in einer Beziehung sind auch diese Dinge wichtig:

  • Nähe
  • Liebe
  • Intimität
  • sich begehrt fühlen

Das gilt für alle Menschen, auch für Frauen mit Behinderungen.

Welche Rechte haben Frauen mit Behinderungen bei Liebe und Sexualität?

Alle Menschen haben das Recht, selbst über ihre Sexualität zu entscheiden.

Dazu gehören diese Rechte:

  • Sexuelle Selbstbestimmung: Ich entscheide über meinen Körper und meine Beziehungen.
  • Gesundheit: Ich darf Verhütung benutzen und medizinische Hilfe bekommen.
  • Information und Aufklärung: Ich habe ein Recht auf verständliche Informationen.
  • Schutz: Ich habe ein Recht auf Schutz vor Gewalt, Missbrauch und Diskriminierung.
  • Privatsphäre: Meine persönlichen Informationen müssen geschützt werden.
  • Mitbestimmung: Menschen mit Behinderung sollen bei Gesetzen und Programmen zu diesem Thema mitreden dürfen.

Welche Vorurteile gibt es?

Viele Menschen haben falsche Vorstellungen über Sexualität bei Menschen mit Behinderungen.

Zum Beispiel glauben manche:

  • Menschen mit Behinderungen interessieren sich nicht für Sexualität.
  • Sie spüren beim Sex nichts.
  • Ihre Sexualität sei „kindlich“.
  • Sie könnten Sexualität nicht genießen.

Diese Vorurteile stimmen nicht.

Warum werden Frauen mit Behinderungen oft nicht ernst genommen?

Viele Menschen glauben an diese Vorurteile.
Darum werden Wünsche nach Liebe, Beziehung oder Sexualität oft nicht ernst genommen.

Manchmal denken andere auch, Frauen mit Behinderungen könnten nicht selbst entscheiden.
Das ist falsch.

Was bedeutet Selbstbestimmung in der Sexualität?

Selbstbestimmung bedeutet:

Ich entscheide selbst über

  • meinen Körper
  • meine Lust
  • meine Beziehungen
  • meine sexuellen Kontakte
  • meine Familienplanung
  • meine Verhütung

Ich darf „Ja“ oder „Nein“ sagen.

Wie können Frauen lernen, ihre Grenzen zu setzen?

Um Grenzen zu setzen, muss ich wissen:

  • Was gefällt mir?
  • Was gefällt mir nicht?
  • Was fühlt sich gut an?

Ich muss lernen, meine Gefühle zu spüren und zu sagen.

Es ist wichtig, dass andere Menschen meine Gefühle ernst nehmen und respektieren.
Dann lerne ich, meinem Bauchgefühl zu vertrauen.

Viele Frauen mit Behinderung haben erlebt, dass ihre Wünsche nicht respektiert wurden.
Darum ist es manchmal schwer, für die eigenen Grenzen einzustehen.

Was tun, wenn jemand Grenzen nicht respektiert?

Wenn jemand meine Grenzen nicht respektiert, kann ich Hilfe holen.

Ich kann mit einer Vertrauensperson sprechen.
Zum Beispiel über Situationen, die sich nicht gut anfühlen.

Auch wenn ich mir unsicher bin, darf ich darüber sprechen.

Welche Rolle spielen Bezugspersonen?

Bezugspersonen können helfen:

  • Informationen zu finden
  • Termine zu organisieren
  • zu Beratungen zu begleiten
  • Dinge zu erklären

Wichtig ist:
Sie sollen die Frauen ernst nehmen.

Ihre eigenen Vorstellungen von Sexualität gelten nicht automatisch für andere Menschen.

Wie können Frauen ihren Körper besser kennenlernen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

Bewegung:
Spazierengehen, Tanzen, Schwimmen oder Springen.
Bewegung hilft, den eigenen Körper besser zu spüren.

Körperpflege:
Beim Waschen oder Eincremen bewusst langsam sein und den Körper wahrnehmen.

Spiegel:
Sich selbst im Spiegel ansehen und freundlich anlächeln.

Selbstbefriedigung:
Dabei kann man herausfinden, was sich gut anfühlt.
Jede Frau darf das in ihrem eigenen Tempo machen.

Was brauchen Frauen, um über Sexualität sprechen zu können?

Frauen brauchen:

  • Wörter für Körperteile und Gefühle
  • Wissen und Aufklärung
  • verständliche Informationen

Außerdem braucht es:

  • einen sicheren Raum
  • Menschen, die respektvoll zuhören

Die Botschaft soll sein:
Deine Sexualität ist wichtig und in Ordnung.

Wunsch für die Zukunft

In der Lebenshilfe Wien soll es normal sein, über diese Themen zu sprechen:

  • Sexualität
  • Körper
  • Gefühle
  • Beziehungen

Alle sollen wissen:
Es gibt Ansprechpersonen, mit denen man darüber reden kann.

Sexuelle Entwicklung soll immer mitgedacht werden, damit Menschen mit Behinderung eine selbstbestimmte und erfüllte Sexualität leben können.

Neue Fachstelle für Sexualität bei der Lebenshilfe Wien

Die Lebenshilfe Wien hat eine neue Fachstelle zum Thema Sexualität eingerichtet.

Diese wird von Miriam Foresta, klinische Psychologin, geleitet.

Die Fachstelle unterstützt:

  • Kund*innen der Lebenshilfe Wien
  • Angehörige
  • Mitarbeiter*innen

Zum Beispiel bei Fragen zu:

  • Sexualität
  • Beziehungen
  • Aufklärung
  • Grenzen und Schutz

Mehr Informationen gibt es hier: https://www.lebenshilfe.wien/sexualitaet/

Eine Frau mit glattem braunem Haar, die einen weißen Blazer und eine lange Halskette trägt, steht lächelnd vor einem schlichten weißen Hintergrund.

Für die Arbeit bei der Lebenshilfe wünsche ich mir, dass es normal wird, über die Themen Sexualität, Körper, Gefühle und Beziehung zu sprechen. Dass alle, die hier leben und arbeiten, wissen, dass es eine Ansprechperson gibt, an die sie sich wenden können und dass man über diese Themen sprechen darf. Es soll nicht mehr die Ausnahme sein, die sexuelle Entwicklung und Begleitung dabei zu beachten. Es soll bei der Begleitung von Menschen einfach immer mitgedacht werden, wie man alle dabei unterstützen kann, erfüllte, selbst bestimmte Sexualität zu leben.