Finanzielle Hilfen

Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung und deren Familien sind besonders auf finanziell-rechtliche Hilfestellungen angewiesen. Die Beratungsstelle der Lebenshilfe Wien steht mit aktuellen Informationen und Rat und Tat zur Seite.

Da die meisten Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung nicht erwerbsfähig sind und teure Unterstützungs- und Betreuungsleistungen sowie Hilfsmittel brauchen, sind finanzielle Leistungen der Stadt Wien und des Bundes für sie ganz wesentlich, damit sie sich ein selbstbestimmtes Leben in Würde und Wohlbefinden erfüllen können. Was sind die wichtigsten finanziellen Hilfen?

Wiener Mindestsicherung

Am 1. Mai 2020 trat eine neue Fassung des Wiener Mindestsicherungsgesetzes in Kraft. Damit haben alle alleinstehenden Menschen ab 18 Jahre mit einer befristeten oder dauerhaften Arbeitsunfähigkeit Anspruch auf 100% Mindestsicherung, das sind 2020 917,35 Euro monatlich, mit einer Ausnahme: Befristet arbeitsunfähige Personen bis 25 Jahre, die noch bei ihren Eltern oder Großeltern wohnen, bekommen 2020 688 Euro (75%) zuerkannt.
Kann die Person einen gültigen Behindertenpass mit Behinderungsgrad größer 50% vorweisen, so erhält sie zusätzlich einen monatlichen Behindertenzuschlag von 2020 165,12 Euro im Monat. Die bisher übliche 13. und 14. Sonderzahlung wird per Antrag ab 1.5. vom Behindertenzuschlag abgelöst.
Verfügt der Mensch mit Behinderung über ein eigenes Einkommen (Gehalt, Waisenpension,…), wird dieses von der Mindestsicherung abgezogen. Andere Sozialleistungen wie Familienbeihilfe oder Pflegegeld werden nicht abgezogen. Seit Anfang 2018 schaut die Stadt Wien genau darauf, dass vom Mindestsicherungsnehmer getrennt lebende Elternteile auch ihren Unterhalt leisten. Dies wird nötigenfalls mit einer Vorladung der Betroffenen beim zuständigen Bezirksgericht einvernehmlich geklärt, außer, die Einforderung von Unterhaltsansprüchen ist offenbar aussichtslos oder unzumutbar. Der Unterhalt wird sodann von der Mindestsicherung abgezogen.
Wer zwischen 18 und 25 Jahre alt und befristet arbeitsunfähig ist, musste bis 30.4.20 für die Bemessung der Mindestsicherung das Einkommen der im selben Haushalt lebenden Personen hinzurechnen, was die monatliche Geldleistung drastisch verringern konnte. Ab 1.5. kann diese Person nun aber als eigene Bedarfsgemeinschaft selbst einen eigenen Antrag stellen!

Erhöhte Familienbeihilfe

Nachdem im Jahr 2018 zahlreiche Familien mit Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung keine Familienbeihilfe mehr gewährt wurde, konnte nach intensivem Kampf u.a. der Lebenshilfe Ende 2018 ein Erlass des Finanzministeriums erwirkt werden, indem wieder (fast) allen Menschen mit einem Grad der Behinderung von mind. 50%, die sich nicht selbst den Unterhalt verschaffen können, lebenslang erhöhte Familienbeihilfe zugesprochen wird. Diese beträgt typischerweise insg. 379,40 Euro (165,10 Euro für das einzige bezugsberechtigte „Kind“ der Familie + 155,90 Erhöhungsbetrag + 58,40 Euro Kinderabsetzbetrag) und wird 12 x im Jahr ausbezahlt.

Pflegegeld

Nach einer Erhöhung des Pflegegelds um 1,8% ab Jänner 2020 werden folgende Beträge 12 x im Jahr ausbezahlt:

  • Stufe 1     mehr als 65 Std. Pflegebedarf       160,13 Euro
  • Stufe 2     mehr als 95 Std. Pflegebedarf       295,22 Euro
  • Stufe 3     mehr als 120 Std. Pflegebedarf     459,93 Euro
  • Stufe 4     mehr als 160 Std. Pflegebedarf     689,80 Euro
  • Stufe 5     mehr als 180 Std. außergewöhnlicher Pflegeaufwand   936,87 Euro
  • Stufe 6     mehr als 180 Std. Pflegebedarf
    regelmäßige und flexible Tag-/Nachtbetreuung   1.308,33 Euro
  • Stufe 7     mehr als 180 Std. Pflegebedarf
    Arme/Beine nicht verwendbar           1.719,30 Euro

Bei gleichzeitigem Bezug von erhöhter Familienbeihilfe werden 60,- Euro abgezogen. Ist die Person mit Behinderung in einer Tagesstruktur beschäftigt, werden 30% vom Fonds Soziales Wien abgezogen, bei vollbetreuter Wohnunterbringung verbleibt der Person ein Taschengeld von typischerweise 178,- Euro (Stand 2020).

Beratungsstelle der Lebenshilfe Wien

Wollen Sie sich genau informieren, was Ihnen zusteht?
Haben Sie Fragen zur Antragstellung oder behördlichen Bescheiden?
Brauchen Sie Hilfe beim Verstehen von Gesetzen und Vorschriften?

Dann wenden Sie sich doch an uns, wir beraten Sie gerne telefonisch, schriftlich oder in einem persönlichen Gespräch!

Kontakt:

 

Mag. Bernhard Schmid
Tel.: 01 – 812 26 35 -47
E-Mail: b.schmid@lebenshilfe.wien

 

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