Barbara Schmidt (links) und Michael Groissmayer (rechts) schätzen Brigitte Balek

Meisterin der Farben und Formen

Wie sich Brigitte Balek trotz Einschränkungen voll entfaltet und ihre Erfüllung in Arbeit und Freizeit findet.

Wenn Brigitte Balek frühmorgens mit dem Fahrtendienst in die Arbeit fährt, hat sie schon ein ausführliches Morgenprogramm hinter sich: mit Hilfe ihrer rührigen Betreuerinnen in ihrer Wohngemeinschaft wird sie jeden Morgen genau nach ihren persönlichen Vorstellungen „gestylt“. Jedes einzelne Accessoire sucht sie selbst aus, denn auf ihr adrettes Erscheinungsbild legt sie ganz viel Wert.

Dieses ausgeprägte ästhetische Feingefühl und ihre Liebe zu abgestimmten Farben und Formen kann sie sehr gut in der Kreativgruppe in der Werkstatt Schuhfabrikgasse im 23. Bezirk einbringen. Hier entstehen tolle Dekorationen und Schmuck aus Holz, Textilien und Papier.

Als Frau Balek zur Kreativgruppe gestoßen ist, überlegte sich ihre Betreuerin Martina Sitzwohl: „Wie können wir trotz der Einschränkungen von Frau Balek – sie sitzt im Rollstuhl, spricht nicht mit Worten und kann nur eine Hand frei bewegen – ihren Vorlieben gerecht werden und ihre Stärken am besten zur Geltung bringen?“

Mobil geht es durch die Künstlerwerkstatt

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Gemeinsam mit Frau Balek fand man schließlich die Lösung: die kunsthandwerkliche Produktion von Grußkarten! Durch eine mittlerweile ausgeklügelte Zusammenarbeit mit ihrem Team werden immer neue bunte Grußkarten erstellt, jede einzelne individuell und einzigartig. Während ihr Kollege Michael Groissmayer die Karten zurechtschneidet und die fertig gestalteten Karten zusammenklebt, und Barbara Schmidt und ihre KollegInnen beim Einfolieren und Kuvertieren helfen, behält Frau Balek stets die Oberkontrolle über die künstlerische Gestaltung.

Sie wählt die Grundfarbe des Papiers und das Grundmuster der Karte aus und bemalt die Karte mit den passenden Farben. Wobei sie Buntstifte bevorzugt, denn „Wasserfarben machen die Finger schmutzig“. Sie entscheidet, welche Werkstücke die anderen KollegInnen bearbeiten dürfen, und welche Werkstücke nur sie persönlich bearbeitet. Sie wirft auch ein Auge auf die Qualität der Produktion („Die Bleistifte sind stumpf!“).

Die Grußkarten warten aufs Verschicktwerden

Ihre Aufgabe fordert täglich sowohl ihre Konzentration als auch ihre Geschicklichkeit heraus. Aufgrund ihrer Einschränkung braucht sie für eine einzelne Karte mehrere Stunden Doch dank ihrer ungebrochenen Leidenschaft und Freude am kreativen Gestalten hat sie im Laufe der Zeit schon über 1.000 Grußkarten produziert! Was ihr an ihrer Arbeit noch gefällt: Sie hat Entscheidungsfreiraum und kann selbst bestimmen. Sie erfährt dadurch eine Aufwertung unter ihren KollegInnen und genießt diese Wertschätzung sehr!

Wer Frau Balek erstmals persönlich kennenlernt und einen hilfsbedürftigen Menschen mit Behinderung im Rollstuhl erwartet, ist freudig überrascht: da sitzt einem eine fröhliche, selbstbewusste, attraktive Frau gegenüber, die offen und sympathisch den Kontakt mit ihren Mitmenschen sucht: nicht mit Worten, aber mit ausdruckstarker Mimik und Gestik, verständlich für alle, die aufmerksam genug sind und sie schon ein bisschen kennen. Ein Hupen am Rollstuhl steht für „NEIN“, ein „Daumen hoch“ für „JA“.

Ihr Rollstuhl ist nicht nur ein notwendiges Hilfsmittel für den Alltag, sondern auch ein „Tor zur Welt“: Sie besucht gerne Plätze, auf denen es viel zu schauen gibt, z.B. Christkindlmärkte oder Bahnhöfe, und sie nimmt die hindernisreiche Ausfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln als herausforderndes Abenteuer an. Schließlich kann sie sehr geschickt selbstständig mit ihrem wendigen Gefährt in fünf verschiedenen Geschwindigkeiten navigieren! Sie besucht gerne Kunstausstellungen von Leonardo da Vinci oder Andy Warhol und schaut sich gerne Theaterstücke, Musik- und Tanzvorführungen an. Letztes Jahr unternahm sie sogar eine Reise nach Rom mit ihrer Begleiterin.

Mit einem Wort: Langweilig wird es Frau Balek nicht, weder in der Arbeit noch in der Freizeit!


Hier können Sie Ihre persönlich gestalteten Grußkarten bestellen:

Lebenshilfe Wien
Schuhfabrikgasse 17
1230 Wien

Tel: (01) 803 88 66
E-Mail: Leitung.werkstatt23@lebenshilfe.wien

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