Zero Project Konferenz über Inklusive Bildung

Vom 10. bis 12. Februar 2016 fand in der UNO-City in Wien die internationale Zero Project Konferenz zum Thema „Inklusive Bildung und technische Hilfsmittel“ mit über 500 Teilnehmer/innen aus 70 Ländern der Welt statt. Bernhard Schmid hielt ein Referat über die inklusive Schulentwicklung in Österreich und verglich den aktuellen Stand 2016 mit dem Stufenplan, den die Lebenshilfe bereits im Jahr 2010 vorgestellt hat.

Die Forderungen des Stufenplans waren:

  • Baustopp für neue Sonderschulen
  • Umwandlung der Sonderpädagogischen Zentren in Pädagogische Kompetenz- und Ressourcenzentren
  • Zusammenlegung der bisher getrennten Ausbildung für Sonder- und RegelpädagogInnen
  • Ausbildung und Einsatz von SchulassistentInnen
  • Öffnen der Sonderschulen für alle Kinder sowie
  • inklusiver Unterricht auch an mittleren und höheren Schulen.

Entwicklungsstand nicht zufriedenstellend

Der Generalsekretär der Lebenshilfe Wien und Vizepräsident der Lebenshilfe Österreich, Bernhard Schmid, sieht die derzeitige Situation in seinem Referat kritisch: „Die Forderung nach Baustopp für neue Sonderschulen, wurde nicht eingehalten: für Neubauten, Ausbauten und Generalsanierungen von Sonderschulen wurden in den letzten Jahren viele Millionen Euro ausgegeben, die für den Ausbau inklusiver Schulen viel dringender benötigt worden wären! Im August 2014 trat eine Novelle des Schulorganisationsgesetzes in Kraft. Doch im §27a wurde damals die für Inklusion so dringend benötigte Entkopplung der Beratungs- und Ressourcenzentren von Sonderschulen verabsäumt und lediglich `Sonderpädagogische Zentren´ in `Zentren für Inklusions-und Sonderpädagogik´ umbenannt.“

Weiters gibt es für die Qualifizierung und den Einsatz von Schulassistent/innen noch keine bundeseinheitliche und bedarfsdeckende Regelung. Bestehende Sonderschulen werden nur zögerlich geöffnet und Regel- und Sonderklassen zwar im selben Schulhaus, aber weiterhin parallel nebeneinander geführt. Und Inklusion an mittleren und höheren Schulen findet nur über vereinzelte Schulversuche statt.

Pluspunkte Lehrer/innen-Ausbildung und inklusive Modellregionen

„Lediglich die `PädagogInnenbildung Neu´ verspricht mit der Abschaffung des Sonderschullehramts und inklusionspädagogischen Modulen für alle LehrerInnen mit optionalen Schwerpunktsetzungen einen wesentlichen Schritt Richtung Inklusion, wenn die ersten Studierenden in vier bis fünf Jahren ihr Studium absolviert haben. Das ist ein entscheidender Fortschritt, allerdings muss eine zügige und qualitätsvolle Umsetzung sichergestellt werden!“ meint Bernhard Schmid.

Hoffnung machen der Lebenshilfe die inklusiven Modellregionen in der Steiermark, Kärnten und Tirol, die in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium bereits an der praktischen systematischen Umsetzung eines neuen inklusiven Schulsystems in größerem Stil arbeiten. Diese Vorreiter sollen die nötigen Praxiserfahrungen für Gesetzesänderungen und für eine flächendeckende Umsetzung in ganz Österreich liefern.

Schmid fordert abschließend: „Damit dies gelingt, brauchen die drei Bundesländer endlich jeweils einen eigenen Bundeslandkoordinator seitens des Bildungsministeriums. Und die übrigen Bundesländer müssen sich ebenfalls aktiv damit auseinandersetzen, wie sie eigene Modellregionen errichten können. Je mehr Schulen und Regionen – am besten wären ganze Bundesländer! – mitmachen, desto gefestigter und qualitätsvoller wird das inklusive System und desto attraktiver werden diese Schulen für alle Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen sein.“

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